Ertüchtigung der Dachkonstruktion für das Haus Velmede in Bergkamen

Kunde

Dipl.- Landwirt Friedrich von Bodelschwingh, Bergkamen /
Architekten Berendt & Teigelkötter, Hamm

Ausgangssituation

Das Dach des aus dem Jahre 1849 stammenden zweigeschossigen Herrenhauses weist ungewöhnliche Verformungen auf. Eine Nachrechnung der hölzernen Konstruktion ergibt, dass das Dach den Anforderungen an die Standsicherheit nicht genügt. Das denkmalgeschützte Haus auf dem Gut Velmede, seit 1636 Stammsitz eines Teils der Familie von Bodelschwingh, wird im Jahr 2001 in seinen beiden Stockwerken saniert und restauriert. Bei dieser Gelegenheit soll auch das Dach den heutigen Vorschriften entsprechend instand gesetzt und ertüchtigt werden.

Geplante Revitalisierung

Die durch Vertikalbelastung der Dachkonstruktion auftretenden horizontalen Spreizkräfte sollten nach der ursprünglichen Planung durch stählerne Längsträger an den unteren Sparrenenden abgefangen und mit Zugbändern am Fußpunkt ins Gleichgewicht gebracht werden.
Diese durchaus übliche Art der Ertüchtigung von alten Dachkonstruktionen bedingt allerdings, daß der Dachboden (ca. 20m lang und 8m breit) aus schweren Eichenbohlen bereichsweise abgebaut und dann wieder neu verlegt werden muß. Im vorliegenden Fall wäre es außerdem erforderlich gewesen, die Zugbänder unterhalb der Decke, die zum Teil mit Stuck verziert ist, anzuordnen.
Dies stellt eine architektonisch unbefriedigende Lösung dar, die den ursprünglichen Charakter der Räumlichkeiten im Obergeschoß des Herrenhauses verfälscht hätte.

Sondervorschlag Q & P

Q & P wurde beauftragt eine Alternativlösung zu entwickeln, um die geschilderten Nachteile des Planungsentwurfs zu vermeiden.

Bei der ursprünglichen Lösung war vorgesehen, die Vertikallasten, die Ursache für die festgestellten Verformungen sind, lediglich indirekt abgefangen. Der von Q & P erarbeitete Sondervorschlag sieht hingegen eine direkte Lastabtragung vor, die ohne Zugbänder auskommt. Sie besteht aus zwei Unterstützungskonstruktionen für die vorhandenen Sparren und Pfetten, die sich auf vorhandene, gemauerte Gebäude-Querwände abstützen.

Jede Unterstützungskonstruktion erstreckt sich dabei über vier Sparrenfelder und besteht aus folgenden Elementen (siehe Darstellung Dachausschnitt sowie Detail Abfangung Zwischenpfetten):
  • Joch aus zwei Holzstützen mit einem Querriegel und zwei Längsträgern aus Stahl zur Abfangung von Lasten im Firstbereich. Die Firstlasten werden über hölzerne Zangen und Unterstützungsklötze in die Längsträger eingeleitet.
  • Zwei mal zwei Holzstützen mit Auflagerschuh aus Stahl und hölzernen Längsbalken, die durch Kontakt die beiden Pfetten direkt entlasten.
  • Knaggen an den Sparren zur Übertragung der Sparrenkräfte über die Pfetten und Längsbalken in die neuen Holzstützen.

Ergebnis

Die Umsetzung des Q & P-Vorschlags führte zu erheblichen Einsparungen gegenüber dem ursprünglich angesetzten Budget- und Zeitrahmen. Eingriffe in die Bausubstanz waren nicht erforderlich und Veränderungen des ursprünglichen Charakters der Räumlichkeiten konnten vermieden werden.
Mit dem klaren, leicht erkennbaren Tragkonzept wurde erreicht, dass durch künftige Schnee- und Windbelastungen, die den "eingefrorenen" Beanspruchungen aus ständigen Lasten überlagert werden, keine unzulässig hohe Spannungen und Verformungen mehr auftreten.


Abfangekonstruktion (Ausschnitt)

Abfangung Zwischenpfetten